11 Mai Die 25. Landeskranichtagung Sachsen-Anhalt – (K)Ein Grund zum Feiern
Ein Vierteljahrhundert Landeskranichtagung – eigentlich ein Anlass zum Feiern der Erfolge im langjährigen Kranichschutz. Doch die 25. Jahrestagung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kranichschutz Sachsen-Anhalt stand unter dem Eindruck eines Ereignisses, das viele Kranichfreunde und Ornithologen im vergangenen Herbst tief bewegt hat: Während des Herbstzuges entlang des westeuropäischen Zugweges fielen zehntausende Kraniche dem hochpathogenen Virus H5N1 (Geflügelpest) zum Opfer. Entsprechend bildete das Seuchengeschehen ein zentrales Thema der diesjährigen Veranstaltung.
Ausgetragen wurden die Tagung, in Sachsen-Anhalt traditionell immer am ersten Sonnabend im März, am 07.03.2026 im UNESCO-Biosphärenreservat Drömling und mit fleißiger Unterstützung der dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über große Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement verfügen und so eine unverzichtbare Hilfe waren. Der Einladung der LAG Sachsen-Anhalt folgten insgesamt 96 Fachleute aus Naturschutz, Wissenschaft, Politik und ehrenamtlicher Ornithologie. Zudem war die Presse mit Fernsehen, Radio und Printmedien vor Ort, wodurch die für uns so wichtigen Themen auch wieder Eingang in die breite Öffentlichkeitsarbeit fanden. Bereits vor Beginn des offiziellen Programms nutzten zahlreiche Teilnehmer die Gelegenheit zum Austausch.
Nach der Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden der LAG Sachsen-Anhalt Axel Schonert stellte Fred Braumann, Leiter des Biosphärenreservates Drömling, das Schutzgebiet und seine Entwicklung sowie die lokale Kranichverbreitung vor. Der Drömling zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Sachsen-Anhalts und besitzt als Brut und Rastgebiet eine hohe Bedeutung für zahlreihe Vogelarten. Wolfgang Sender als ehemaliger Mitarbeiter und Naturschutzbeauftragter fokussierte im Anschluss auf den Kranich, bis hin zu spannenden und amüsanten Erlebnissen eines Kranichverrückten im Drömling.
Mehrere Vorträge zur Geflügelpest stellten das Ausmaß des Ausbruchs im vergangenen Herbst dar und beleuchteten dessen Hintergründe. Dr. Günter Nowald (Geschäftsführer Kranichschutz Deutschland) gab zunächst einen Überblick über das Seuchengeschehen entlang des westeuropäischen Zugweges und stellte aktuelle Erkenntnisse zu Ausbreitungsmustern und möglichen Ursachen vor. Nach vorliegenden Zahlen sind über 40.0000 Kraniche in Westeuropa Opfer der Geflügelpest geworden. Leider stellt dies nur die tatsächlich dokumentierten Fälle, also gefundene und geborgene Kadaver, dar. Die Dunkelziffer ist vermutlich erheblich höher! Wie sich das auf das Brutgeschehen und die lokalen Populationen auswirkt, ist bisher unklar und muss in der Brutsaison 2026 so genau ,wie feldornithologisch möglich, dokumentiert werden.
Die virologischen Hintergründe der Erkrankung wurden anschließend von Dr. Peter Petermann (Wissenschaftsforum Aviäre Influenza) erläutert. Er ging auf Herkunft und Eigenschaften der hochpathogenen Viren sowie auf Ausbruch und Entstehung ein. Spätestens die traurigen und erschreckenden Bilder vom Helmestausee bei Kelbra, einem der wichtigsten Rastgebiete der Kraniche in Deutschland, ließen den Tagungssaal verstummen – die drückende Stimmung war bei allen Teilnehmern zu spüren.
Trotzdem gab es auch positive Entwicklungen zu berichten. Die Zahlen des Brut- und Rastgeschehens 2025 in Sachsen-Anhalt zeigen, dass sich die Arbeit im Kranichschutz bemerkbar macht. Es konnten nicht nur Zuwächse in den aktuellen Brutpaaren verzeichnet werden, sondern auch hohe Rastzahlen mit etwa 55.000 Kranichen am Helmestausee Kelbra dokumentiert werden. Auch die Zahl beringter Kraniche, vorgestellt von Ingolf Todte (Beringungszentrale Sachsen-Anhalt), stieg weiter an, sodass noch mehr wertvolle Informationen über die Verbreitung und das Verhalten der Vögel über die Landes- und sogar Bundesgrenzen hinaus gesammelt werden können. Darüber hinaus gab es erfreuliche Nachrichten vom Helmestausee, wo nicht nur mit dem Bau des neuen Naturerlebniszentrums begonnen wurde, sondern auch das Verbundprojekt „Kranich(t)raum Goldene Aue – Perspektiven für Mensch und Natur“ startete. Auch hier wurde von den jeweiligen Trägern Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt (TSB, Herr Mario Hohmann und NABU Sachsen-Anhalt, Herr Lucian Elles) in spannenden Kurzvorträgen über den aktuellen Stand berichtet. Nach der Tragödie im vergangenen Herbst werfen also schöne große Ereignisse ihre (Kranich-)Schatten voraus!
Den Abschluss der Tagung bildete eine Exkursion in ausgewählte Flächen des Drömlings, dem Land der tausend Gräben. Die Exkursion bot den Teilnehmern die Möglichkeit die Bedeutung wertvolle Lebensräume für rastende und brütende Kraniche zu erleben. Und wie es sich für eine Kranichtagung gehörte, konnten die Vögel des Glücks beobachtet werden. Zudem ließen sich auch andere Arten blicken, ein Brachvogel suchte offenbar nach einem Neststandort; die Art kommt dort noch mit wenigen Brutpaaren vor.
Trotz neuer Herausforderungen bleiben nach der Tagung Hoffnung und Enthusiasmus im Vordergrund und der fachliche Austausch, die Vernetzung und freundschaftliche Verbindungen unter den Kranichschützern, bleiben wichtige Bausteine für den langfristigen Schutz der Kraniche.
An dieser Stelle möchten wir den langjährigen und zuverlässigen Unterstützern der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz Sachsen-Anhalt unseren herzlichen Dank aussprechen: Kranichschutz Deutschland, NABU Sachsen-Anhalt, Ornithologenverband Sachsen-Anhalt, Piepenbrock Technischer Gebäudeservice, ohne die diese Tagung kein so großer Erfolg gewesen wäre.
Thea Keller
Axel Schonert