Auf den Spuren der Herbst-Drehwurz am Großen Gegenstein

Zusammen mit Mitgliedern des Arbeitskreises Heimische Orchideen in Sachsen-Anhalt (AHO) machten wir uns an einem schönen Septembertag auf, die heimische Orchidee Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis) auf den Flächen unterhalb des Großen Gegensteins bei Ballenstedt zu suchen. Das Ziel war die jährliche Zählung der blühenden Individuen im Spätsommer.

Die Herbst-Drehwurz, auch Herbstwendelorchis genannt, gehört zu unseren eher zierlichen heimischen Orchideen – doch beim genaueren Hinsehen, mit Nase voraus dicht über dem Halbtrockenrasen, offenbarte sie ihre ganze Schönheit mit zarten, weiß-grünlichen Blüten. Der Name Drehwurz kommt nicht von ungefähr, sondern ist auf die Anordnung der Blüten am Stängel zurückzuführen – wie eine Wendeltreppe gen Himmel erstreckt sie sich.
Die Wendelorchis ist in unseren Breiten die zuletzt blühende Orchidee. Erst zwischen Juli und August beginnt der Blütentrieb zu wachsen und blüht von Mitte August bis Anfang September. Die Laubblätter werden während der Blütezeit gebildet, überdauern den Winter und verwelken zu Sommerbeginn. In ihren rübenförmigen Speicherwurzeln nimmt die Wendelorchis Wasser und Nährstoffe auf.

 

Die Herbst-Drehwurz ist als Kulturfolgerin eine seltene Orchidee geworden, v.a. bedingt durch die Aufgabe der Schafbeweidung und damit dem Verlust ihrer Standorte. Umso schöner, dass sich die Bestände am Großen Gegenstein durch die Wiederaufnahme der Pflege und Beweidung seit den 2010er Jahren erholen konnten. In günstigen Jahren besticht sie als wahrlich weißes Blütenmeer in Tausenden.

Auch dieses Jahr wurde wieder eifrig mit dem Kopf gen Rasen und Adleraugen nach den weißen Wendeln gesucht – mit traurigem Ergebnis jedoch. Trotz großer Motivation kamen wir bei unserer Suche nur auf rund 50 Individuen. Ein herber Schlag in so manches Orchideenliebhaber*innen Gesicht – dies mag wohl auch auf die diesjährige ausdauernde Dürre zurückzuführen sein.

 

Etwas orchideenbedrückt aber teufelsmauerbeglückt genossen wir dennoch die wenigen aber schönen Exemplare mit guter Aussicht – auf ein Neues nächste Saison!

Paula Abelein