Axel Schonert | Bienenfresser an der Wittenberger Elbe
16163
post-template-default,single,single-post,postid-16163,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode-theme-ver-17.2,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.6,vc_responsive

Bienenfresser an der Wittenberger Elbe

Die farbenfrohen Bienenfresser sind neben dem Eisvogel wohl die durch Farbgebung auffälligsten Vögel der Region. Fast meint der begeisterte Beobachter, dass solche bunten Vögel hier deplatziert wirken. Und damit hat er sogar recht, Bienenfresser kommen tatsächlich erst seit ein paar Jahren bis zu uns in den Nordosten.

Als Großinsektenfresser kommen sie in Afrika und im mediterranen Raum vor. Nach Deutschland, insbesondere nach Sachsen-Anhalt, kommen die Vögel erst seit etwa den 1990er Jahren Damals fanden die ersten Bruten in Kiesgruben im Bernburger Raum statt, die Art wurde in der damaligen Roten Liste als Vermehrungsgast geführt. Für den Wittenberger Bereich liegen bis 2009 keine Beobachtungen von Bienenfressern vor, wie Dr. Zuppke in seinem damaligen Buch über die Vogelwelt der Region Wittenberg schreibt (bzw. nicht schreibt, die Art wird nicht erwähnt, ist also in der Datenbank nicht enthalten).

Seitdem kommt es selten zu Beobachtungen durchziehender kleiner Trupps. Im Jahr 2020 wurden entlang der Stromelbe im südöstlichen Teil des Landkreises erstaunlich regelmäßig kleine Trupps oder Einzelvögel beobachtet. Unserem fleißigen Mitbeobachter Martin Jordan ist es zu verdanken, dass tatsächlich eine Brutansiedlung mit zwei Paaren in typischen Brutröhren an einem Steilhang am Elbufer gefunden wurden.

Soweit wir wissen und die Datenlage hergibt; die ersten Bienenfresserbruten im Landkreis Wittenberg seit Menschengedenken!

Was uns als Beobachter sehr freut, muss doch sorgenvoll stimmen. Die dynamische Arealerweiterung der Art ist ein deutliches Zeichen für den Klimawandel. So werden auch in unseren Breiten mittlerweile eher mediterrane Arten gefördert, während für ursprüngliche Arten die Bedingungen sich immer weiter verschlechtern.

Doch Hinkucker sind die Vögel allemal und immer für tolle Beobachtungen gut! Nach Aussage Dieter Selters gibt es an der Elbe auch im benachbarten sächsischen Raum mehrere bekannte Brutansiedelungen. Sicher stehen „unsere“ zwei Brutpaare mit diesen in Beziehung. Seit Anfang August sind die Jungvögel flügge und nun vagabundiert der kleine Trupp aus vier Altvögeln und 4-6 Jungvögeln umher. Vorher konnte noch ein Altvogel an der Röhre gefangen und von Nico Stenschke beringt werden. Ein tolles Erlebnis, einen solchen Vogel als Beringungshelfer in der Hand halten zu dürfen!

Fotos ©Martin Jordan: