Unterwegs in der Nuthe-Nieplitz-Niederung

Manfred Kroop und Karl Decruppe sei Dank, dürfen wir heute die abwechslungsreiche Natur in der Nuthe-Nieplitz-Niederung genießen. Der damalige Leiter der Oberförsterei aus Ferch und der Biologe aus Berlin initiierten vor drei Jahrzehnten die Unterschutzstellung der Nuthe-Nieplitz-Niederung. Der daraus entstandene Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung e.V. sorgt bis heute für die zielgerichtete naturverträgliche Entwicklung der Flächen. Feuchtgebiete und Moore wurden renaturiert, Flächen entsiegelt, Landschaftselemente wie Hecken, Feldgehölze, Streuobstwiesen oder Kleingewässer wiederhergestellt und ehemalige Truppenübungsplätze als wertvoller Lebensraum der Offenlandschaft erhalten. Von diesen Maßnahmen profitiert auch Bert, ein Elchbulle (Alces alces), der 2018 von Polen in die Nuthe-Nieplitz-Niederung einwanderte. Dabei haben es ihm die Feuchtlebensräume besonders angetan. Auf Offenlandbiotopen ist er lediglich im Winter anzutreffen. Seit 2018 wird Bert auf Schritt und Tritt von Wissenschaftlern der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde überwacht. Mit Hilfe eines GPS-Halsbands wird sein Raumverhalten, seine Raumwege und die Wahl seines Lebensraumes untersucht. Beispielsweise legt er im Sommer und Winter am Tag 2,5 Kilometer zurück. Im Frühjahr und Herbst ist sein Tagespensum mit durchschnittlich 28 Kilometern am Tag deutlich höher. Der Elch ist aber nicht der Einzige, der im Herbst die Nuthe-Nieplitz-Niederung durchwandert. Auch die Großtrappe (Otis tarda) legt hier manchmal einen kleinen Zwischenstopp ein. Die Großtrappe ist in Deutschland mittelweile sehr selten geworden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sammelten Schulkinder Trappeneier von den Feldern, da der Vogel als landwirtschaftlicher Schädling galt. Der ehemals hohe Bestand ist drastisch zurückgegangen. Heute gibt es in Deutschland nur noch ca. 350 Individuen. 

Doch die Niederung scheint nicht nur für Elch und Großtrappe attraktiv zu sein, auch Wiedehopf (Upupa epops) und Steinkauz (Athene noctua) siedeln sich wieder an. Im Offenland des ehemaligen Truppenübungsplatzes Glau wurden 2019 drei Brutpaare nachgewiesen. Beim Steinkauz hingegen musste etwas nachgeholfen werden. Seit 2011 werden in der Nuthe-Nieplitz-Niederung Steinkäuze gezüchtet und im Familienverband ausgewildert, mit großem Erfolg! Neben 45 Steinkauzrevieren gab es bereits 2010 die erste Wildbrut. Zusätzlich zur Auswilderung gehören zahlreiche andere Maßnahmen zum Wiederansiedlungsprogramm, z. B. die Anbringung von Nistkästen oder die Aufklärung der Bevölkerung über Biotopausstattung und Schutzmöglichkeiten der kleinen Eule. 

Darüber hinaus zählt das Gebiet zu den interessantesten Wasservogel-Lebensräumen in Brandenburg. Neben etlichen Brutvogelarten wird die Nuthe-Nieplitz-Niederung von zahlreichen Durchzüglern und Wintergästen besiedelt. Auch kleinere Bewohner wie Tagfalter und Heuschrecken fühlen sich hier wohl. So konnten 19 Tagfalterarten, sowie seltene Heuschrecken-Arten darunter Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) und Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) nachgewiesen werden. 

Neben den faunistischen „Köstlichkeiten“ kommen auch Botaniker mit Arten wie der Sand-Strohblume (Helichrysum arenaria), Grasnelke (Armeria elongata) und Heidenelke (Dianthus deltoides), auf ihre Kosten. Insgesamt handelt es sich bei den genannten Arten nur um einen Bruchteil derer, die tatsächlich in der Nuthe-Nieplitz-Niederung anzutreffen sind. Umso wichtiger ist es, die verschiedenen Lebensräume weiterhin zu schützen, so wie es Manfred Kroop und Karl Decruppe einst begonnen haben.

Wir bedanken uns recht herzlich bei den lokalen Gebietskennern und Freunden, die uns durch die Nuthe-Nieplitz-Niederung geführt haben. Besonderen Dank an Wolfgang Suckow, Dr. Jördis Panzer, Andrè Niedersaetz, Heinrich Hartong und Lars Hansche.